Filme die historische Ereignisse darstellen wollen, müssen einen Spagat zwischen Fakten und Unterhaltung meistern. Selbst Dokumentationen schweifen ab und an ab, siehe Guido Knopp. Amerikaner lernen ihre Geschichte durch Filme, und nicht alle sind historisch genau. In Deutschland konnte man bislang auf mehr oder minder genaues Wissen aus der Dose verzichten. Zwischen dem Ende des Krieges und der Wiedervereinigung klafft allerdings in den Schulbüchern eine Lücke.
Gott sei dank gibt es Bernd Eichinger, der einen 20 Mio. € teueren Geschichtsporno geschrieben hat vor dem sich Leute mit einem pseudohistorischen Bewusstsein kräftig einen runterholen können.
Gab er vor 4 Jahren dem Führer noch einen Hauch von Menschlichkeit, beatmet er nun die ganze RAF, als nächstes werden wir wohl den Mauerfall aus Sicht Eichingers erleben müssen, alle drei Teile würden dann in der Eichinger History Box erscheinen.
Deutsche Geschichte läuft, sie läuft in den Kinos, sie läuft im Fernsehen, meistens engagiert aber schlecht in Szene gesetzt, gewollt und nicht gekonnt, manchmal auch gut und dann schlecht recherchiert.
Hierzu gehört auch Der Baader Meinhof Komplex. Als Quelle diente das gleichnamige Buch des Spiegel Chefredakteurs Stefan Aust. Dieses Sachbuch gilt als Standartwerk über die RAF, leider ist es so nicht verfilmbar, jedenfalls nicht als Spielfilm. Also musste Herr Eichinger seinen Griffel aus der Tasche ziehen und Massenkompatibilität herstellen. Unter der Regie von Uli Edel, der mir bereits negativ mit den TV-Produktionen Julius Caesar und Die Nibelungen auffiel, entstand ein Film der zwar mit Bildern positiv glänzt, deren historische Ungenauigkeit in einigen Bereichen aber fast peinlich wirkt, bedenkt man, dass soviel wert auf Authentizität gelegt wurde.
Die Motivation dieser Terroristen bleibt unklar, die Welt die Eichinger und Edel darstellen unterscheidet sich lediglich etwas durch die Kleidung von unserer heutigen Welt, die Schauspieler überzeugen durch ihre Ähnlichkeit, Tiefe und Überzeugung fehlen vollends. Wie war die Welt aus den 60’ und 70’ ein Historiker betrachtet Personen aus ihrer Zeit nicht aus unserer. Somit wirken sie wie die Helden aus einem Tarantino Film und weniger als politisch motivierte Terroristen. Immerhin stand die RAF für etwas und hatte anfangs auch einen erheblichen Rückhalt in der Bevölkerung. Vietnam war eine Sache, die verschwiegene Vergangenheit unter Hitler eine andere. Es findet keine Reflexion der Beweggründe statt, der Zuschauer kann hier Baader, Ensslin und Meinhof nicht verstehen um sich selber ein Bild von ihnen zu machen. Konsumkino ohne Anspruch und Mehrwert, man kann nach dem Film nicht mal über richtig oder falsch diskutiern.
Letztlich bleibt die Frage was will der Film? Historisch ungenau kann er keinen Beitrag zum Geschichtsbewusstsein beitragen. Wem nutzt der Film? Wirklich unterhaltsam ist er auch nicht. 6 Mio. € an Fördergelder für einen Film der keinen Mehrwert hat. Ich befürchte, dass BMK als „besonders wertvoll“ in den Geschichtsunterricht eingebaut wird, dabei wird nicht nur in Kauf genommen, dass man ein fragwürdiges Bild der Geschichte aufschnappt sondern auch, dass man einen völlig miesen Filmgeschmack entwickelt.